308 getötete Mädchen und Frauen im Jahr 2024 – Land braucht mehr Prävention, nicht nur Fußfesseln

Die heute vom BKA veröffentlichten Bundeslagebilder zur Gewalt gegen Mädchen und Frauen zeigen, dass es noch erheblichen Nachholbedarf bei Präventionsangeboten gibt. Eva von Angern, Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Landtag von Sachsen-Anhalt, erklärt dazu:

„Alle 2,8 Minuten wird ein Mädchen oder eine Frau Opfer häuslicher Gewalt. Nahezu täglich wird eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Das ist kein statistischer Zufall, sondern struktureller Frauenhass und eine enorm großes Gesellschaftsproblem.

Die Regierung antwortet auf diese Zahlen mit der Einführung der Fußfessel. Elektronische Aufenthaltsüberwachung gegen Täter kann ein Instrument sein. Aber ein Instrument ist keine Strategie! Das sehen wir gerade in Sachsen-Anhalt: Die derzeit im Landtag behandelte Novelle des Sicherheits- und Ordnungsgesetzes soll die rechtliche Grundlage für Fußfesseln schaffen. Das allein reicht nicht aus. Wir brauchen weitere präventive Aspekte und rechtsverbindliche Fallkonferenzen. 

Es fehlt der gesetzlich verankerte Präventionsrahmen, der systematisch Hochrisikofälle im Vorfeld erkennt. Die heute veröffentlichen Zahlen machen zudem zwei große Herausforderungen der Zukunft sichtbar: Fast die Hälfte der Opfer von Sexualstraftaten sind unter 18 Jahre alt. Dieses Problem wird nicht mit Fußfesseln gelöst werden können. Dafür braucht es mehr präventive Arbeit in Kitas und Schulen. Hinzu kommt die Gewalt im digitalen Raum. Die Fußfessel hilft da nicht – da braucht es mehr Aufmerksamkeit der zuständigen Behörden und eine Spezialisierung zur Verfolgung von Gewalt im digitalen Raum. Deshalb hat die Fraktion Die Linke am 25.11. hierzu ein eigenes Fachgespräch initiiert.

Die beschlossene, aber nicht in Gänze umgesetzte Istanbul-Konvention, die Deutschland ratifiziert hat, sieht genau solche Fallkonferenzen vor. Die Linke wird im Landtag dafür kämpfen, dass es künftig präventive Fallkonferenzen und mehr Täterarbeit gibt. Die Frauen in Sachsen-Anhalt verdienen ein System, das sie schützt – bevor die Gewalt eskaliert.“

 

Magdeburg, 21. November 2025